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Der Psalter

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© Christian Hofius
Juni 2014
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Sigmund Hemmel

Der Gantz Psalter Davids


Allgemeines Titel Vorrede Psalmen

Vorred an den Christ=
lichen Leser.
Es spricht der heilig Apostel Paulus: Las=
set das wort Christi vnder euch reichlich wohne in al=
ler Weißheit / lehret vn ermanet euch selbs mit Psal=
men und Lobgesengen / vnd geistlichen lieblichen Lie=
dern / vn singet dem Herrn in ewerm Hertzen. In wöl=
chen worte erfordert der H.Geist von der Christenheit / das Gottes
wort nicht allein mit Predigen / vnd fleißiger außlegung der heiligen
Schrifft auff der Cantzel / sondern auch mit Christlichen Gesengen /
vnd geistlichen lieblichen Liedern / bey dem Volck Gottes in der Ge=
mein / auch sonsten bey Christlichen Haußuättern / vond ihren Hauß=
genossen soll getriben / vnnd reichlich fürgetragen werden. Dann
man der Sachen mit solchen Christlichen vbungen / nicht zuuil thun
kan: Seitenmal solche Christen vom heiligen Geist in den Psalmen
mehrmals gelobt werden / wölche an dem Gesetz vnd wort Gottes

hertzliche frewd haben / vnd mit demselbigen früh vnd spat vmb=
gehn. Und werden one zweiffel dergleichen vbungen bey den Außer=
wöhlten nimmermehr ohne nutz vnd frucht abgehn / es werde gleich
Gottes wort gelesen / gepredigt / oder in Christlichen Psalmen ge=
sungen. Dann es ist vnd bleibt Gottes wort / man lese oder singe
es / wölches allwegen / wo nicht bey jederman / doch bey ettlichen in
ein solch Hertz fellt / darinn es recht wurtzelt / vmb zu seiner zeit vil=
feltige frucht bringet / zur erbawung vnd besserung des Menschen /
vnd zum lob Gottes des Herrn / der dem Menschen nicht allein die
Sprach von sienen Wolthaten zureden / sondern auch die Stim /
seine Vätterliche güte in Christo vns erzeigt / damit zu lobe / gegeben.

Und hat der Allmechtig zu seiner Ehr / auch dise Kunst den Men=
schen verlihe 7 das man zumal nicht nur mit einer / sondern auch mit
vilen und mancherley hohen und nidern Stimmen / (wölche doch alle
sampt lieblich zusammen gericht werden / und wol lauten) Ihne und
seine Wunder und Wolthaten rhümen und preisen kan: Gleich wie
er auch sonsten in seiner heiligen Christenheit / durch vil unnd man=

cheriey herrliche Gaben des heiligen Geists ( wölche sich in vilen
Personen zumal auff mehr dann eine weise erzeigen ) seines allerhei=
ligsten Namens lob und ehr / mit erbawung und besserung der Chri=
stenheit / anrichten und befürderet.

Solche herrliche und liebliche Music und weiß zusingen / ist im
alten Testament durch die Gottselige König / bey der verrichtung
des rechten Gottesdiensts / mit sonderm eyfer angerichtet / und bey
der Predig des Gesetz unnd der Propheten / auch neben den Opf=
fern im brauch gewesen / wie solches mit vilen zeugnussen der heili=
gen Schrifft (wo es nicht für unnotwendig gehalte wurde) nach der
lenge möcht dargethon werden. Sonderlich aber hat David vor
andern Königen solche Musicam in bester form / beide mit Singern
und Instrumentisten / auffs herrlichst bestellet: Ja selbst sehr vil und
mancherley Psalmen / auß eingeben des heiligen Geists darzu ge=
macht / daß sie gehörter massen in der Gemein Gottes neben aller=
le Instrumenten solten gesungen werden. Wie es aber im newen
Testament den Christen nicht verweißlich / sondern löblich / daß sie

die Psalmen Dauids haben / und zu ihrer lehr / besserung und trost
gebrauchen: Also ist auch dise liebliche Kunst die Musica (wölche ei=
gentlich zu den Psalmen gehörig ) im newen Testament ein zierd und
wolstand / an denen orten / und in denen Kirchen / da das heilig Eu=
angelion rein und lautter gepredigt würt. Dann warumb solte man
nicht die guten Künste zuvorderst zum lob Gottes des Herren ge=
brauchen / der sie geben hat? Und müß freylich nicht ein guter Geist
sein / der eintweder disen guten Gaben Gottes feind ist / oder ja nicht
leiden mag / daß sie zur ehr unnd lob Gottes gebraucht werden / so
doch der Psalm sagt: Alles was Odem hat lobe den Herrn.

Derwegen dann weilund der Durchleuchtig / Hochgeborn Fürst
und Herr / Herr Christoff / Hertzog zu Würtemberg / und Teckh /
Graue zu Mümppelgart / u. unser gnediger Fürst und Herr / hoch=
löblicher seliger gedächtniß / in dero Fürstlichen Capell ein solche
Music mit grossem Unkosten erhalten. Und dieweil dergleichen u=
bungen in der Kirche Gottes mit lehren / betten und dancken / meh=
rertheils in solcher Sprach verrichtet werden sollen / die der gantzen

ggenwertigen Christliche Gemein verstendlich / un derhalben auch
zur besserung dienstlich. So hat hochgedachts unsers gnedige Für=
sten und Herrn / CHristlicher milter gedächtnuß geweßner Capell=
meister / ein künstlicher Componist und Singer / Sigmund Hemel
seliger / auff alle Psalmen Dauids / wie die in teutsche Gesang ver=
fasset / gute / liebliche / un herrliche Compositiones verfertigt / an wöl=
chen hochgedachter unser gnädiger Fürst und Herr / seliger löblicher
gedächtnuß / ein gnädig wolgefallen gehabt / auch selbige in dero
Fürstlichen Capell / vil unnd offt singen lassen / In massen solche
under des auch Durchleuchtigen / Hochgebornen Fürsten unnd
Herrn / Herrn Ludwigen / Herttzogen zu Würtemberg / unnd Teckh / Graue zu Mümppeelgart / u. unsers gnädigen Fürsten und Herrn
Hofcappell noch täglich gebraucht werden.

Und dieweil auch vil frembde / wölche jetztgedachte Compositio=
nes in der Fürstlichen Capell gehört / ihnen dieselbige sehr wolgefal=
len lassen / und ein verlangen darnach gehabt. Ists für löblich und
gut angesehen worden / das solche Christliche Psalmen / und liebliche

Compositiones in Teutscher Sprach meniglichen durch den Truck
mitgetheilt wurden: der gentzlichen hoffnung / es werde solche Werck
nicht allein zum wolstand un zierde / sondern auch zu nutz und erbaw=
ung der Kirchen Gottes nicht undienstlich sein: Als durch wölches
bey vilen andere Abgöttische / oder auch leichtfertige Gesang durch
Gottes Gnad abgetriben / un an derselbe statt dise Gottselige Psal=
me mit besserung der Christlichen Gemein möge gebraucht werden.

Der Allmechtig gott und Vatter unsers Herrn Jesu Christi /
verleihe uns sein H.Geist / daß wir seine grosse Wolthaten danck=
barlich erkennen / und Ime allhie auff Erden zu seinem lob und eh=
ren / mit mund und Hertzen also singen / daß wir Ine dort mit allen
Außerwöhlten unnd heiligen Engeln im Himmel ewiglich preisen.
Amen.

Würtembergische Hofprediger /
Balthasar Bidenbach.
Lucas Osiander D.